21.12.2022

Steigende Infektionsgefahr durch resistente Bakterien

Neue Lancet-Analyse zeichnet dramatisches Bild

Resistente Keime breiten sich weltweit stetig steigend aus. Eine aktuelle Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „The Lancet", an der 174 Autoren mitgewirkt haben zeichnet erstmals ein umfangreiches Bild der Ernsthaftigkeit der Situation. Die Auswertung von 9.324 Quellen (Studien, Daten von Kliniken etc.) sowie 478 Mio. Fallberichten und Proben aus 204 Ländern ergab: Rund 4,95 Mio. Todesfälle stehen in Verbindung mit resistenten Bakterien. Davon sind 1,27 Mio. Todesfälle direkt auf resistente Keime zurückzuführen.

Entsprechend alarmiert zeigt sich die WHO: Bis 2050 prognostiziert sie 10 Mio. Todesfälle jährlich aufgrund von resistenten Krankheitserregern. Offenbar sind Infektionen durch resistente Bakterien auf dem Weg, sich zur häufigsten Todesursache weltweit zu entwickeln – noch vor Krebs.

Erforschung neuer Antibiotika hinkt hinterher

Einer der Gründe für diesen dramatischen Anstieg ist die schleppende Entwicklung neuer Antibiotika. Laut dem Fachblatt „Nature" werden derzeit nur 40 Wirkstoffe als mögliche Kandidaten erforscht. Zum Vergleich: Zur Krebsbekämpfung befinden sich über 4.000 neue Wirkstoffe in der Entwicklung. Der steigende Verbrauch von Antibiotika (65 % Steigerung zwischen 2000 und 2015) hat diese zur billigen Massenware werden lassen und gleichzeitig maßgeblich zur Ausbreitung von Resistenzen beigetragen.

Besonders in ärmeren Ländern breiten sich resistente Erreger unkontrolliert aus. Dies sollte auch in Europa und in den USA als Warnsignal betrachtet werden. Neben den menschlichen Schicksalen fallen die wirtschaftlichen Folgen zunehmend ins Gewicht. Laut einer Schätzung der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) verursachen resistente Erreger jährliche Kosten in Höhe von 55 Milliarden US$. Diese teilen sich auf in Behandlungskosten (20 Milliarden) und Produktivitätsverluste (35 Milliarden). Für Europa von ähnlichen Werten auszugehen erscheint realistisch.

Gefährliche Lücken in der Trinkwasserverordnung

Erstaunlicherweise sind nur sechs Erreger für über 70 % der Infektionen mit Todesfolge verantwortlich. Einer davon ist das wasserassoziierte, gram-negative Bakterium Pseudomonas aeruginosa, auf dessen Konto weltweit rund 75.000 Todesfälle jährlich gehen. Gemäß den Daten der Lancet-Veröffentlichung sterben in Europa und den USA etwa 10 Menschen je 1 Million Einwohner an einer Infektion durch resistente Pseudomonas aeruginosa.

Diese Rate entspricht mindestens dem 10-fachen der durch Legionellen verursachten Todesfälle. Doch während die Trinkwasserverordnung im Hinblick auf Legionellen eine gründliche Überwachung vorschreibt, wird Pseudomonas aeruginosa bislang vernachlässigt, obwohl die Übertragung dieses Keims auf den Menschen maßgeblich über Wasser erfolgt. Eine Aufnahme von Pseudomonas aeruginosa in die Trinkwasserverordnung mit einem Grenzwert von 0 je 100 ml ist daher dringend geboten.

Endständige Sterilfilter helfen, Infektionen zu vermeiden

Wie zahlreiche Studien zeigen, reichen bereits wenige mit Pseudomonas aeruginosa kontaminierte Wasserentnahmestellen aus, um den Keim über Hände und Oberflächen weiter zu verbreiten und Patienten zu infizieren. Seine Fähigkeit, einen Biofilm zu bilden, schützt ihn außerdem vor Desinfektionsmaßnahmen (Chlorung, Temperatur etc.). Zudem weist das Bakterium eine höhere Toleranz gegenüber Chlor auf.

Dennoch gibt es effektive Gegenmaßnahmen. So kann der Einsatz von endständigen Sterilfiltern die Verbreitung von gram-negativen Erregern wie Pseudomonas aeruginosa wirksam eindämmen. Gemeinsam mit einer Vielzahl von anderen hygienischen Maßnahmen können endständige Sterilfilter den Gesundheitseinrichtungen helfen, Infektionen und daraus möglicherweise resultierende Todesfälle zu vermeiden.

Der Höhepunkt im Hinblick auf die Verbreitung Antibiotika-resistenter Erreger wird zumindest in den wohlhabenden Ländern wohl erst in einigen Jahrzehnten erreicht werden. Umso wichtiger ist es, so früh und wirksam wie möglich durch geeignete Maßnahmen gegenzusteuern.


Wenn Sie mehr zu diesen und ähnlichen Themen erfahren möchten, lohnt sich ein Blick in unsere Filmreihe „Infektionsprävention und Krankenhaushygiene" – kurz und anschaulich werden hier Film für Film wissenswerte Aspekte aufgegriffen:

Erfahren Sie mehr über Sterilfilter als Filtrationslösungen zur Infektionsprävention

Weitere Veröffentlichungen & Informationen zu diesen Themen:

Veröffentlicht in der Management & Krankenhaus

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